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Auf einen Kaffee mit Detlef03.09.2026

☕ "Auf einen Kaffee mit Detlef" mit Hadil al-Hassan

☕ "Auf einen Kaffee mit Detlef" mit Hadil al-Hassan
Die 19-jährige Hadil al-Hassan spricht über ihren Freiwilligendienst, ihre Erfahrungen in Deutschland und darüber, warum verlässliche Abläufe bei der Ausländerbehörde für junge Menschen mehr sind als eine Verwaltungsfrage.

Mein Treffen mit Hadil al-Hassan war vor allem, ein persönliches Gespräch. Bei einer Tasse Kaffee, ohne feste Tagesordnung und mit Zeit zum Zuhören. Nicht die Politik stand im Mittelpunkt, sondern der Mensch.
Hadil ist 19 Jahre alt und stammt aus Syrien. Was mich an ihrem Weg interessiert, ist aber nicht allein ihre Herkunft. Es ist die Frage, was eine junge Frau aus ihrem Leben macht, was sie antreibt und welche Erfahrungen sie dabei mit unserem Land, seinen Möglichkeiten und seinen Hürden sammelt.
Im Juli 2025 berichtete die Vereinte Evangelische Mission über Hadil. Damals bereitete sie sich in Wuppertal auf einen einjährigen internationalen Freiwilligeneinsatz vor. Ihr Ziel war Stone Town auf Sansibar in Tansania. Zehn Tage lang ging es in der Vorbereitung um das Leben und Arbeiten in einem anderen kulturellen Umfeld. Hadil sprach damals offen darüber, dass manche Seminare anstrengend seien, die Vorbereitung aber notwendigsei. Mit der Nervosität wachse zugleich die Vorfreude. Auch die Fotos des VEM-Beitrags stammen von ihr.
Hadil wartet nicht darauf, dass andere ihr Leben gestalten. Sie geht los, probiert etwas aus, übernimmt Verantwortung und lässt sich auf neue Menschen und neue Lebenswelten ein.
Im Gespräch wurde auch deutlich, dass Hadils Blick auf Deutschland nicht nur von ihren eigenen Erfahrungen geprägt ist. Sie erzählte von Ablehnung und rassistischen Erfahrungen, die ihre Eltern erlebt haben. Wer solche Erlebnisse aus der eigenen Familie kennt, nimmt sehr genau wahr, wie Menschen behandelt werden und ob Integration tatsächlich gelebt wird.
Das gehört zu Hadils Geschichte, aber es definiert sie nicht. Gerade der Gegensatz ist bemerkenswert: Erfahrungen mit Ausgrenzung auf der einen Seite, Neugier, Engagement und der Mut, für einen Freiwilligendienst nach Sansibar zu gehen, auf der anderen. Für mich zeigt sich darin, wie viel Kraft junge Menschen entwickeln können, wenn sie ihren eigenen Weg gehen.
Bei unserem Kaffee ging es irgendwann um eine ganz andere Erfahrung. Eine, die viel näher liegt. Hadil machte deutlich, dass lange oder schwer planbare Abläufe bei der Ausländerbehörde für Betroffene schnell zu einem echten Problem werden. Wer selbst nie auf einen Aufenthaltstitel oder wichtige ausländerrechtliche Dokumente angewiesen war, unterschätzt leicht, was daran hängt. Es geht nicht nur um ein Formular oder einen Termin. Manchmal geht es um eine Reise. Um Ausbildung oder Arbeit. Und oft ganz einfach um Planungssicherheit.
Im Gespräch wurde für mich sehr deutlich: Hadil wünscht sich schnellere und verlässlichere Abläufe bei der Ausländerbehörde.
Das ist keine pauschale Kritik an den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Ich weiß, dass die Belastung hoch ist und dass dort viele Menschen unter erheblichem Arbeitsdruck stehen. Genau deshalb muss Politik auf die Strukturen schauen. Eine Behörde kann nur so gut arbeiten, wie Organisation, Personal, digitale Verfahren und Zuständigkeiten es zulassen.
Für mich bleibt deshalb eine einfache Frage: Was kommt bei den Menschen an?
Junge Menschen wie Hadil wollen lernen, arbeiten, Erfahrungen sammeln und ihr Leben selbst gestalten. Eine funktionierende Verwaltung sollte ihnen dabei Sicherheit geben und nicht zusätzliche Unsicherheit schaffen. Und Zugehörigkeit entsteht nicht allein durch Gesetze oder Formulare. Sie entsteht auch darin, wie Menschen einander begegnen. Wer Integration ernst meint, muss deshalb beides im Blick behalten: verlässliche staatliche Strukturen und einen Alltag, in dem Ablehnung und Rassismus keinen Platz haben.