NavigationStartThemenDetlefWahlkreisAktuellesTermineMitmachenKontakt
© 2027 Detlef Nacke
arrow_back Zurück zu Aktuelles
Detlef vor Ort06.10.2026

Ein Rechtsanspruch schafft noch keinen guten Ganztag.

Ein Rechtsanspruch schafft noch keinen guten Ganztag.
Mit meinem Format „Detlef vor Ort“ möchte ich sehen, wie politische Entscheidungen im Alltag tatsächlich ankommen. Bei der Ganztagsbetreuung der Eichendorffschule hieß das für mich: nicht nur kurz vorbeischauen und ein Foto machen, sondern mehrere Stunden den normalen Ablauf miterleben. Ich wollte sehen, wie die Betreuung organisiert ist, wie die vorhandenen Räume genutzt werden und wo die Beschäftigten im Alltag besonders gefordert sind.

Begrüßt wurde ich von Herrn Lepper, dem Teamleiter der Ganztagsbetreuung, und Lisa-Friederike Bollmann von der VHS Reckenberg-Ems, die als Koordinatorin für Ganztagsbetreuung und Schulkooperation tätig ist. Schon dabei wurde deutlich, wie eng Schule und Betreuung im Alltag zusammenarbeiten müssen.

Bevor ich in die Betreuung ging, machten wir einen Abstecher zur Schulleitung. Mit Schulleiter Marcus Janssen-Müller und Konrektor Sebastian Lohmann sprach ich über die Situation der Schule und den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung. Dabei geht es nicht nur um die Zahl der Plätze, sondern auch darum, unter welchen Bedingungen Ganztagsbetreuung im Alltag funktionieren kann.

Ein Schwerpunkt war die Raumsituation. Der Grundschulverbund Eichendorff-Postdamm hat nach den vorliegenden Angaben 378 Schülerinnen und Schüler in 16 Klassen. Für die Ganztagsbetreuung werden 148 Kinder ausgewiesen. Während das städtische Raumkonzept vier Ganztagsräume vorsieht, stellt die Eichendorffschule fünf Ganztagsräume bereit, von denen zwei multifunktional über den gesamten Schulalltag genutzt werden. Die Betreuung ist deshalb auch auf Klassenräume und weitere schulische Flächen angewiesen.

Die gemeinsame Raumnutzung ist sinnvoll, verlangt aber eine gute Abstimmung. Ein Klassenraum, der vormittags dem Unterricht dient, wird später vielleicht für Hausaufgabenbetreuung gebraucht. Für Freispiel oder Rückzug gelten andere Anforderungen. Während meiner Hospitation habe ich einen solchen Wechsel selbst erlebt: Zur Hausaufgabenbetreuung um 14 Uhr gingen wir in einen anderen Klassenraum. Was auf dem Papier nach gemeinsamer Raumnutzung klingt, bedeutet vor Ort immer auch Organisation.

Mit Blick auf den schrittweise geltenden Rechtsanspruch halte ich diese Frage für zentral. Wenn mehr Kinder einen Ganztagsplatz in Anspruch nehmen, reicht es nicht, nur die Zahl der Plätze zu erhöhen. Schule und Ganztag brauchen Flächen, die tatsächlich nutzbar sind. Deshalb muss frühzeitig geprüft werden, wo zusätzliche Belastungen entstehen und ob Umbauten oder Erweiterungen notwendig werden.
Im Gespräch kam außerdem die Frage auf, warum im offenen Ganztag keine unterschiedlichen Betreuungszeiten gebucht werden können, wie Eltern es aus Kindertageseinrichtungen kennen. Das Stichwort heißt hier: Gemeinsamer Erlass „Offene Ganztagsschulen sowie außerunterrichtliche Ganztags- und Betreuungsangebote im Primarbereich“. Der Gesetzgeber legt fest, dass die Anmeldung zum Ganztag für die Dauer eines Schuljahres bindet und verpflichtet die Kinder in der Regel zur regelmäßigen und täglichen Teilnahme bis 15 Uhr. Dass im offenen Ganztag keine unterschiedlichen Betreuungszeiten gebucht werden können, kann ich nur schwer nachvollziehen. Familien haben unterschiedliche Arbeitszeiten, und nicht jedes Kind braucht an jedem Tag dieselbe Betreuungsdauer. Flexiblere Zeiten müssen allerdings mit Personalplanung, Finanzierung und verlässlichen Abläufen vereinbar sein. Trotzdem sollte geprüft werden, was möglich ist.

Nach dem Gespräch mit der Schulleitung begann der praktische Teil. Ich ging zu Clara Sandhäger, der Co-Teamleitung, und Catherine Filies. Gemeinsam betreuten wir die gelbe Gruppe. An diesem Tag waren zunächst 11 Kinder da. Normalerweise sind es 27. Die weiteren Kinder kommen gestaffelt nach dem Unterrichtsplan im Laufe des Tages dazu. Im Freispiel wurde schnell deutlich, wie viel Aufmerksamkeit diese Arbeit verlangt. Ein Kind hat eine Frage, ein anderes sucht etwas oder braucht Unterstützung. Manche Situationen sind mit einem Satz geklärt, andere brauchen mehr Zeit. Gleichzeitig müssen die Mitarbeiterinnen einschätzen, wann sie eingreifen und wann die Kinder selbst eine Lösung finden können.
Es wurde gebastelt und gemalt. Später durfte ich ein Memory-Spiel übernehmen. Das war für mich ein wichtiger Teil der Hospitation, weil ich nicht nur zugeschaut habe. Beim Spielen entstehen Gespräche ganz nebenbei. Kinder erzählen, was sie beschäftigt. Dadurch bekommt man einen anderen Eindruck davon, wie sie ihren Nachmittag erleben.

Ab 12.30 Uhr ging es in die Mensa. Es gab Chicken Nuggets mit Sauce, dazu Steckrüben-Möhrengemüse und Kartoffeln. Die Kinder essen dort nacheinander, damit die vorhandenen Kapazitäten genutzt werden können. Auch hier steckt viel Organisation im Hintergrund. Die Gruppen müssen zur richtigen Zeit kommen, gleichzeitig sollen die Kinder in Ruhe essen können.
Nach dem Essen blieb Zeit zum Spielen. Auch das gehört für mich zu einem guten Ganztag. Ein langer Schultag darf nicht nur aus Unterricht und anschließendem Lernen bestehen. Kinder brauchen Phasen, in denen sie selbst entscheiden können, womit sie sich beschäftigen.

Um 14 Uhr begann die Hausaufgabenbetreuung. Ich unterstützte Catherine Filies und half den Kindern bei ihren Aufgaben. Es ging nicht darum, Lösungen vorzugeben. Oft reichte ein Hinweis, manchmal musste eine Aufgabe noch einmal erklärt werden, bevor ein Kind weiterarbeiten konnte.
Dabei zeigte sich, wie unterschiedlich Kinder arbeiten. Manche finden schnell in ihre Aufgabe, andere brauchen länger oder mehr persönliche Ansprache. Für die Beschäftigten bedeutet das, die Gruppe im Blick zu behalten und zugleich einzelne Kinder zu unterstützen. Daher istdie Personalausstattung mehr als nur eine statistische Größe.

Die Schule veröffentlicht für die Ganztagsbetreuung 12 Beschäftigte. Es arbeiten aktuell 14 Mitarbeitende, eine Jahrespraktikantin, eine FSJlerin, eine Auszubildende in der praxisintegrierten Erzieherausbildung und ein dualer Student im Standort. Die veröffentlichten Angaben der Schule geben somit nur einen groben Überblick über die Teamgröße.
Um 15 Uhr wurden die ersten Kinder abgeholt. Die Betreuung läuft bis 17 Uhr weiter. Für mich endete die Hospitation zu diesem Zeitpunkt. Für die Beschäftigten war der Arbeitstag noch nicht vorbei.

Der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung wird seit dem Schuljahr 2026/27 schrittweise eingeführt. Mein Besuch hat mir gezeigt, dass es dabei nicht nur um zusätzliche Plätze gehen kann. Entscheidend sind auch geeignete Räume, ausreichend Personal und eine Finanzierung, mit der verlässlich geplant werden kann. Aus meiner Hospitation nehme ich als Landtagskandidat mehrere konkrete Punkte mit. Ein guter Ganztag braucht verlässliche Bedingungen: geeignete Räume, ausreichend Personal und eine Finanzierung, mit der Kommunen und Träger dauerhaft planen können. Dazu gehört für mich aber auch die soziale Seite. Der Zugang zum Ganztag sollte nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen. Deshalb sind die Beitragsfreiheit und ein kostenloses Mittagessen wichtige Themen, die ich in die weitere politische Arbeit mitnehmen werde. Gerade das gemeinsame Mittagessen ist Teil des Ganztags und sollte allen Kindern gleichermaßen offenstehen.

Auch die Frage, ob die bestehenden Vorgaben den unterschiedlichen Betreuungsbedarfen von Familien ausreichend gerecht werden, möchte ich weiterverfolgen. Der Rechtsanspruch ist ein wichtiger Schritt. Entscheidend wird aber sein, wie gut er im Alltag tatsächlich funktioniert.

Ich danke dem gesamten Team der Ganztagsbetreuung, der Schulleitung und der VHS Reckenberg-Ems für die freundliche Aufnahme, die offenen Gespräche und die Einblicke in die Arbeit vor Ort. Mein Dank gilt auch den Kindern der gelben Gruppe, bei denen ich für einige Stunden einfach mal mitmachen durfte.