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Auf einen Kaffee mit Detlef16.09.2026

☕ "Auf einen Kaffee mit Detlef" mit Paulina Jaster

☕ "Auf einen Kaffee mit Detlef" mit Paulina Jaster

Foto: von links nach rechts: Detlef Nacke und Paulina Jaster


Paulina Jaster (Vorstand Verein ‚Polnische Herzen‘) sprach mit dem SPD-Landtagskandidat Detlef Nacke über Kultur, Gemeinschaft, gegenseitige Hilfe und die Alltagsthemen, die Familien bewegen.
Auch beim Rheda-Wiedenbrücker ‚Internationalen Kulturfest‘ wird Polnische Kultur sichtbar: Spezialitäten, Klänge und Menschen aus der polnischen Heimat, die ins Gespräch kommen. Für den Verein Polnische Herzen e. V. sind seine Tätigkeiten mehr als reine Feste. Der Verein bringt Leute zusammen, belebt Traditionen und schafft ein Netz, das im Alltag Orientierung bietet.

Paulina Jaster erzählt nicht nur, was der Verein tut, sondern auch, was sie persönlich antreibt. Ein Stück Heimat gemeinsam gestalten - Polnische Herzen setzt sich für die Weitergabe polnischer Kultur, für die Gemeinschaft rund um Rheda-Wiedenbrück und für den gesellschaftlichen Austausch ein. Gezeigt wird das unter anderem beim Internationalen Kulturfest in Rheda. Am Stand des Vereins gibt es polnische Spezialitäten, dazu traditionelle Kleidung und manchmal auch Musik und Tanz. Die Feste laden dazu ein, miteinander ins Gespräch zu kommen und Kontakte über den eigenen Bekanntenkreis hinaus zu knüpfen.

Zum Vereinsleben gehören auch (in Polen sehr populäre) Feiern wie Andrzejki - die Andreasnacht. Mit Spielen, Essen und überlieferten Bräuchen bleibt hierbei ein weiteres Stück Heimatgefühl lebendig. Die Veranstaltungen gehen in der Regel Hand in Hand mit wohltätigem Engagement, insbesondere der Unterstützung des „Wielka Orkiestra Świątecznej Pomocy“ (WOŚP - Deutsch: Großes Orchester der Weihnachtshilfe). Auch bei den Aktionswochen gegen Rassismus war der Verein bereits aktiv. Bei einem Kunst- und Austauschabend im Kloster Wiedenbrück beschäftigen sich Teilnehmer mit Identität, Zugehörigkeit und Vielfalt.

Hier in Rheda-Wiedenbrück hat Paulina wie viele andere vermisst, sich regelmäßig in polnischer Gemeinschaft treffen zu können und dabei eben auch außerhalb von großen Festen polnische Kultur sichtbar und erlebbar zu halten. Die Idee zu eigenem Engagement kam ihr, nachdem sie in Münster bei einer Spendenaktion mitgearbeitet hatte. Daraus entstand der Gedanke, so etwas in dieser Stadt selbst zu initiieren, begonnen mit einem Fußballturnier, um u.a. Sport, Bewegung und Helfen miteinander zu verbinden.

Im Januar 2027 soll die besagte Spendenaktion zum fünften Mal stattfinden. „Wenn es das, wonach man sucht, nicht gibt, muss man es einfach selbst gestalten.“ Paulina verbindet ihre Zukunft mit Deutschland und vermisst doch ihre Heimat. So geht einigen. Gerade um dauerhaft gut hier zu leben und sich ein Leben aufzubauen, braucht es Orte, an denen Sprache und Gewohnheiten einen Raum erhalten.
Der Verein schafft genau so einen Ort - und macht ihn zu einem Ort für Begegnungen mit Menschen anderer Herkunft. Die Unterstützung beginnt oft schon im Alltag. Für polnischsprachige Familien ist der Verein nicht nur Kulturverein, sondern ein Netzwerk.

Viele Hürden ähneln sich bei einer Vielzahl von Menschen: Formulare verstehen, Anmeldungen erledigen, Behördengänge vorbereiten oder Gespräche übersetzen. Wer länger hier lebt, gibt Erfahrungen weiter. Wer neu ankommt, muss nicht jede Hürde allein meistern. 

Ein besonderes Beispiel hierbei sind Arzttermine, bei denen innerhalb einer Familie vielleicht noch niemand Deutsch spricht. Die üblichen öffentlichen Dolmetsch-Angebote eignen sich nicht für medizinische Termine. Dann helfen nur private Kontakte oder konkret polnischsprachige Gruppen in sozialen Medien, um jemanden zu finden, der hierbei begleitet. Übersetzt werden müssen Beschwerden, Rückfragen und Behandlungshinweise und nur das sorgt dann dafür, dass zum Beispiel Missverständnisse vermieden werden.

Das entwickelt gegenseitige Hilfe - ersetzt aber keine zuverlässige, professionell organisierte medizinische Sprachmittlung. Medizinische Versorgung keine sprachliche Versorgungslücke bleiben. Entscheidend ist da die strukturelle Lücke: Sprachmittlung, die auch bei Behördenkontakten standardmäßig angeboten wird, fehlt bei Arztbesuchen.

Patientinnen und Patienten müssen verstehen, was untersucht wird, welche Risiken bestehen und welche Entscheidungen anstehen. Gerade Kinder sollten nicht die Verantwortung übernehmen müssen, schwierige medizinische Gespräche der Eltern zu führen. Wenn kein passendes Angebot da ist, helfen sich Betroffene derzeit eben privat: über soziale Netzwerke, Bekannte oder die erweiterte Community. Diese Hilfe ist wichtig, darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass medizinische Verständigung verlässlich organisiert sein müsste.

Für mich ergibt sich daraus eine klare Aufgabe: Welche Angebote zur Sprachmittlung gibt es heute, wer bezahlt sie, welche Voraussetzungen gelten - und wie kann möglichst bald sichergestellt werden, dass auch Arztbesuche dauerhaft einbezogen sind?
Wohnungssuche, Räume für Jugendliche und Bürokratie, trotz der Freude am Vereinsleben erinnert Paulina auch an die Schattenseiten des Alltags. Besonders schwierig ist die Wohnungssuche. Bezahlbarer Wohnraum ist rar. Fehlende Sprachkenntnisse machen die Suche noch komplizierter. Wer niemanden kennt, der erklärt, Unterlagen prüft oder bei Gesprächen begleitet, hat eine weitere Hürde zu überwinden. Klare Informationen und erreichbare Beratung sind genauso wichtig wie der Bau weiterer bezahlbarer Wohnungen.

Ein weiteres Thema liegt ihr besonders am Herzen: Kinder und Jugendliche brauchen frei zugängliche Aufenthaltsräume und Sportflächen. Nicht jedes Freizeitangebot sollte eine Vereinsmitgliedschaft oder teure Gebühren voraussetzen. Junge Leute brauchen Orte, an denen sie sich spontan treffen, bewegen und ihre Freizeit gestalten können. Solche Räume sind vor allem für Familien wichtig, deren Budget knapp ist. Deshalb sollte geklärt werden, welche vorhandenen Räume, Sporthallen und Außenflächen zu zusätzlichen Zeiten geöffnet werden können.

Jugendliche sollten mitreden können. Sie wissen am besten, was sie brauchen und wie sie es nutzen möchten. Es geht nicht nur darum, jedes Angebot völlig neu zu erfinden, sondern neben bestehenden Vereinsangeboten mindestens einfache, offene Möglichkeiten zu schaffen.
Auch beim Thema Bürokratie zieht sich Paulina die Ärmel hoch. Wenn Unterlagen mehrfach eingereicht werden müssen, eine Zuständigkeit schwer zu finden ist oder lange entschieden wird, verlieren alle Zeit und oft Geld. Nicht nur Zugewanderte stoßen darauf, auch andere Bürgerinnen und Bürger sowie Ehrenamtliche, die helfen, kennen diese Hürden.

Was bleibt von dem Gespräch? Ein Formular, das niemand versteht, wird auch digital nicht besser. Deshalb reicht es nicht, Verwaltung zu digitalisieren – Verfahren müssen einfacher werden. Mein politischer Auftrag daraus: unnötige Bürokratie abbauen, Schreiben verständlicher machen, Zuständigkeiten klären und feste Ansprechpartner schaffen. Digitalisierung soll den Menschen Wege ersparen und nicht komplizierte Verfahren nur auf den Bildschirm verlagern.

☕ "Auf einen Kaffee mit Detlef" mit Paulina Jaster | Detlef Nacke